Seit Ende 2000 wird jeder Kromfohrländer in Deutschland gechipt. Davor
wurden die Welpen bei der Wurfabnahme im Ohr tätowiert.
Jeder reinrassige Kromfohrländer hat eine Ahnentafel. Auf dieser Ahnentafel
werden 4 Generationen lückenlos ausgewiesen. Sie trägt das Emblem des
Rassezuchtvereins der Kromfohrländer e.V., sowie des VDH und des FCI.
Papiere die diese Embleme nicht tragen wurden nicht von dem zuchtbuchführenden
Rassezuchtverein ausgestellt, bzw. nicht von einem Verein ausgestellt der dem
VDH bzw. FCI angehört.
Hunde mit nicht VDH, FCI Papiere dürfen zur Zucht im VDH, FCI nicht eingesetzt
werden.
Entsprechendes gilt für Kromfohrländer die im Ausland gezüchtet wurden!
Ahnentafeln von Kromfohrländern die in Österreich gezüchtet wurden tragen das
Emblem des ÖKV und des FCI. Ahnentafeln aus der Schweiz tragen das Emblem SKG
und FCI. Für Ahnentafeln aus Finnland, Dänemark und Holland gilt
entsprechendes.
Im Rassezuchtverein erhält man Züchteradressen gegen Zusendung eines frankierten und adressierten Rückumschlages beim "aktuellen Züchternachweis"
Petra Henning
Herbigstr. 19a
80999 München
Diese Adressenliste wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.
Zitat aus der Satzung des RZV Stand 1/2006:
"Der Verein versteht sich als Rassehunde - Zuchtverein im Sinne der Satzung des VDH. Zweck ist die Reinzucht der Rasse der Kromfohrländer nach dem bei der FCI hinterlegten gültigen Standard Nr. 192. Demgemäss fördert der Verein alle Bestrebungen, die der Erfüllung dieses Zwecks dienen. Dabei ist die Grundlage die Erhaltung und Festigung dieses Rassehundes in seiner Rassereinheit, seinem Wesen, seiner Konstitution und seinem formvollendeten Erscheinungsbild."
Um den Vereinszweck auch erfüllen zu können gibt es u.a. die Zuchtordnung die sich im wesentlichen an die Zuchtordnung des VDH anlehnt, bzw. bei Änderungen auch vom VDH genehmigt werden muss. In der VDH-Zuchtordnung sind die Mindestanforderungen an die Zucht geregelt. So zum Beispiel das Mindest- und Höchstalter des Zuchteinsatzes, die Abstände zwischen den Würfen in Abhängigkeit der Wurfgröße, Einsatz nach Kaiserschnitten, Zuchtstättenkontrollen, Wurfabnahmen usw. Mitglied im VDH sind nur Vereine die keine gewerbsmäßige Zucht betreiben.
Die Zuchtzulassung erhält ein Kromfohrländer im RZV durch die 1997 eingeführte Körung. Vorab muss eine Gesundheitsuntersuchung beim Tierarzt durchgeführt werden um sicherzustellen dass dieser Hund zum Zeitpunkt der Körung gesund ist. Bei der Körung wird er durch einen VDH-Richter nach dem Standard (Aussehen und Körperbau) beurteilt, des Weiteren wird während der gesamten Körung sein Wesen beobachtet und beim anschließenden Wesenstest durch die Körkommission zusammen mit dem Richter beurteilt. Der Wesenstest besteht aus Alltagssituationen wie Begegnungen mit Einzelpersonen, Gruppen, Enge, Lärm und Artgenossen.
Seit 01.01.2008 ist das Mindestalter für die Körung 18 Monate.
Das Mindestalter für den ersten Zuchteinsatz für Hündinnen liegt bei 18 Monaten. Wobei es mit Sicherheit sinnvoller ist die Hündin nicht vor dem vollendeten zweiten Lebensjahr decken zu lassen. Für Rüden wurde das Mindestalter ab 01.01.2008 auf drei Jahre hochgesetzt. Es ist sinnvoll, ältere und gesunde Rüden einzusetzen, als ganz junge deren Entwicklung noch nicht absehbar ist.
Der Abstand zwischen zwei Würfen muss 355 Tage betragen, sind es mehr als acht Welpen sogar 18 Monate minus zehn Tage. Warum? Hiermit soll gewährleistet werden, dass die Hündinnen nicht als Wurfmaschinen benutzt werden und wirklich ausreichend Zeit zur körperlichen Erholung haben.
Die Anzahl der Deckeinsätze wurde begrenzt. Warum? Im Laufe der Jahre haben wenige Rüden viele Hündinnen gedeckt. Was zur Folge hat, dass wenn man sich die Ahnentafeln anschaut, häufig die gleichen Väter, Großväter, Urgroßväter auftauchen. Andere Rüden dagegen wurden nie eingesetzt, möglicherweise aus Angst sie könnten vielleicht nicht decken, oder weil sie zu weit entfernt wohnen oder aus anderen Gründen. Mit der Begrenzung der Deckeinsätze stellt man sicher, dass eine größere Streuung der "Gene" durchgeführt wird. Oder anders gesagt die Zucht auf eine breitere Basis gestellt wird. Allerdings ist es leider trotzdem so, dass wenige Rüden in kurzer Zeit ihre Deckeinsätze verbraucht haben. So stehen sie als alter, gesunder Rüde nicht mehr zu Verfügung. Paarungsauflagen sollen ermöglichen, dass auch Kromfohrländer, die nicht zu 100 % dem Standard entsprechen in der Zucht eingesetzt werden können um a) ihre Gene in die Rasse einzubringen und b) mögliche Fehler wie z.B. Fehlzähne, etwas zu langes/kurzes Haar, zu blasse Fleckung durch passende Verpaarung nicht noch stärker zu verbreiten.
Ein ewiges Diskussionsthema sind die sogenannten glatt kurzen Kromfohrländer. In den Standard aufnehmen ja oder nein. Zur Zucht notwendig ja oder nein. Bei ihnen handelt es sich um Kromfohrländer mit kurzem Fell und ohne Bart, eine weitere Laune der Natur wie die mittel langen und die langen Typen.
Ganz klar, der gültige Standard sagt sowohl bei rau als auch bei glatt: "Auf dem Rücken und am Widerrist nicht länger als sieben cm und an den Seiten drei cm."
In vielen Rauhaar Würfen werden kurze, mittel lange und lange Haartypen geboren. In den Glatthaar Würfen hängt es von den Eltern ab. Sind beide mittel lang, sind auch die Welpen mittel lang im Haarkleid. Ist ein Partner kurz ist in der Regel ein Teil des Wurfes kurz, ein Teil mittel lang im Haarkleid.
So gesehen ist der "kurze" ein Stiefkind in der Zucht. Die Rauhaarzüchter wollen ihn nicht weil er keinen Bart hat und sie befürchten den Bart damit komplett heraus zu züchten und ein Teil der Glatthaarzüchter will ihn nicht weil das Haarkleid zu kurz ist. Aus der Sicht der Zucht benötigen wir ihn trotzdem, denn er bringt genetische Vielfalt und in der Regel Farbe (außer er gehört zu den Hellgeborenen, aber das geht jetzt hier zu weit).
Nicht vergessen darf man, unabhängig vom Zuchtziel, den Käufer! Wer glaubt es gäbe einen sehr großen "Markt" für den kurz glatten täuscht sich gewaltig! Entweder wollen die Käufer einen echten rauen und das sind immerhin 90 % der Anfragen oder einen echten glatten und ein kleiner Rest freut sich auf einen kurz glatten Kromfohrländer.
Seit 01.01.2008 werden versuchsweise wieder Mischpaarungen zwischen rau und glatt zugelassen. Natürlich wird hierdurch der raue Kromfohrländer nicht rauer und typischer und der glatte Kromfohrländer nicht seidiger und typischer. Darüber muss sich jeder Züchter und Käufer im klaren sein. Vielmehr ist es ein Versuch die genetische Vielfalt zu vergrößern. Ob dies gelingt und wie die Ergebnisse aussehen wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Gibt es kein zufriedenstellendes Ergebnis wird man von den Mischpaarungen wieder Abstand nehmen.
Soviel zum Thema Zulassung, Zuchteinsatz.
Wie schon an anderer Stelle angesprochen wird schon seit mehr als zehn Jahren die in der Rasse auftretende Epilepsie bekämpft. Früher war man mehr oder weniger auf Hörensagen der einzelnen Hundebesitzer/Züchter angewiesen wobei es meist so war, dass die eigenen Hunde gesund, die der anderen aber krank waren. So konnte es nicht weitergehen. Um die schon bestehende Zuchtwertschätzung mit "Leben" zu füllen wurde 1999 die erste Gesundheitsumfrage gestartet. Alle bekannten Kromfohrländerbesitzer wurden angeschrieben und um Beantwortung des Fragebogens gebeten. Immerhin gut 70 % der Bögen kamen von den Besitzern ausgefüllt zurück. Folgende gesundheitliche Probleme stellten sich heraus: Epilepsie, Probleme im Bewegungsapparat, hyperkeratotische Veränderungen der Pfotenballen, einzelne Tiere mit Immunschwächen und einige wenige die im hohen Alter erblindet waren. Seither werden jährlich immer bestimmte Jahrgänge der Population angeschrieben.
Mit diesen Ergebnissen konnte und kann man nun gezielt Zuchtlenkung betreiben. Große Erfolge hat man bei der Epilepsie. Die Zuchtlenkung greift und nur noch vereinzelte Tiere erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Krankheit. Informationen zu Immunschwächen werden dahingehend berücksichtigt, dass wenn ein gewisses Risiko in den Linien vorhanden ist die Züchter eingehend darauf hingewiesen werden und von einer Verpaarung abgeraten wird. Tiere mit hyperkeratotischen Veränderungen werden registriert (kommen nicht in die Zucht) und die Eltern werden als Vererber geführt. Wie bei den Immunschwächen werden auch hier die Züchter informiert und von einer entsprechenden Verpaarung abgeraten. Augenuntersuchungen werden auf freiwilliger Basis durchgeführt, auch diese Informationen werden wie oben registriert, erkrankte Tiere werden aus der Zucht genommen. Diese Informationen kann der Züchter im RZV abrufen. Bei allen obigen Beispielen dürfen Vererber einer solchen Erkrankung nicht miteinander verpaart werden.
Probleme im Bewegungsapparat, ein großer Überbegriff. Das Auftreten von HD,
ED und Patella Luxation in der Rasse ist gegen Null. Häufiger haben wir Hunde,
die an Athrose leiden. Auch hier gilt, wie in den anderen
Beispielen, erkrankte Tiere dürfen in der Zucht nicht eingesetzt werden. Was
kann man sonst tun um zu verhindern dass Probleme im Bewegungsapparat auftreten?
Man sollte auf keinen Fall die Springfreudigkeit seines Kromfohrländers fördern. Mühelos springt er
aus dem Stand bis auf Schulterhöhe seines Besitzers. Eine enorme Belastung für
die nicht fertig ausgebildeten Knochen des Welpen/Junghundes. Dazu kommt unter
Umständen ein zu hohes Gewicht. In wie weit grundsätzlich die Fütterung zu
obigen Problemen beiträgt bleibt offen. Sicher ist, viel hilft nicht viel, auch
bei Vitaminen und Spurenelementen. Weniger ist manchmal mehr.
Vielleicht stolpert man über den Begriff "informiert und abgeraten". Vielleicht fragt man sich warum wird es nicht verboten? Das ist eine Frage die man vorsichtig beantworten muss. Entsprechend reagieren kann man nur, wenn man man weiterhin die Informationen erhält. Ein gesundes Tier kann man nicht einfach aus der Zucht nehmen. Die Kromfohrländerpopulation ist nun einmal eine sehr kleine Population und man muss, will man mit der Zucht im Sinne der Tiere weiterkommen immer sorgfältig abwägen.
Interessante Tipps zum Thema Gesundheit beim Kromfohrländer finden Sie auch
unter www.beepworld.de/members96/familienkromi
und www.kromfohrlaender-siegen.de
Ein weiteres Thema ist das Wesen. Vor 15 Jahren hatte der Kromfohrländer einen miserablen Ruf. Er galt als bissig, giftig und nicht ertragbar. Warum? Vielleicht wurde zu sehr seinem Ruf als "mißtrauisch gegenüber Fremden" nachgegeben. Zuwenig auf Sozialisierung geachtet, nicht ausreichend geprägt. Im nachhinein kann man das nicht beantworten. Ich weiß nur, dass ich mit meinem ersten Kromi 1992 keine derartigen Probleme hatte. Heute wird auf gute Prägung schon beim Züchter sehr viel Wert gelegt. Die Käufer werden auf regelmäßige Besuche einer kompetenten Hundeschule und ausreichend Kontakt mit Gleichartigen eindringlich hingewiesen.
Die Aufzucht in der Familie ist für die Kromfohrländerzucht selbstverständlich!
Dass der Kromfohrländer sich sowohl im Aussehen als auch in seinem Wesen deutlich im positiven von den "alten Generationen" unterscheidet wurde dem RZV auch in der Festrede anlässlich des 50 jährigen Jubiläums 2005 vom VDH bestätigt. Ein Ansporn in der eingeschlagenen Richtung weiter zu machen.
Seit einigen Jahren gibt es einmal jährlich die Erstzüchtertagung. Hier werden alle Fragen rund um die Formalitäten und Zucht (Läufigkeit, Deckakt, Geburt, Aufzucht) angesprochen. Fragen beantwortet und diskutiert. Des Weiteren stehen jedem Züchter alle Zuchtwarte zum Thema Zucht Rede und Antwort und können jederzeit in Anspruch genommen werden.
Inzwischen werden weitere Infotage zu unterschiedlichen Themen angeboten.
Noch ein letztes Mal zurück zum
Thema rau und glatt. Seit wir selbst aktiv
im Verein arbeiten und das sind immerhin schon 16 Jahre, habe ich kein einziges
Mal erlebt, dass die Zuchtverantwortlichen einen Unterschied zwischen einem
Rauhaar Züchter und einem Glatthaar Züchter machten. Immer ging es in den
Entscheidungen ausschließlich um den Kromfohrländer. Komischerweise hält sich
aber hartnäckig das Gerücht es sei so. Es ist wirklich an der Zeit diese uralt
Meinungen zu diesem Thema endgültig zu begraben!
Last but not least möchte ich betonen, dass alle die heute Kromfohrländer züchten Tiere aus derselben Population haben, mit denselben Vor- und Nachteilen. Mit denselben gesunden und kranken Genen. Keiner züchtet gesündere oder kränkere Kromfohrländer. Jeder, ich betone jeder kann gesunde (was sehr zu wünschen ist) oder leider auch kranke Nachkommen in seiner Zucht haben. Nahezu alle Informationen die heute jeder Kromfohrländer Züchter hat, basieren auf dem Zuchtbuch, den Umfragen und dem Datenmaterial des Rassezuchtvereins.
Marion Wisst
Stand: 01.02.2008
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